Wie installiert man einen Tintensack?

Ob Füllhalter oder Tintenroller - hier bist Du richtig.
Antworten
Benutzeravatar
Knoffel
Mitglied
Beiträge: 78
Registriert: Fr 15. Jul 2016, 11:57
Vorname: Alan

Wie installiert man einen Tintensack?

Beitrag von Knoffel » Mo 17. Okt 2016, 12:22

Zur Diskussion zu diesem Thema gelangst Du hier.

Tintensäcke kommen insbesondere – aber nicht nur – in den zuhauf produzierten Hebelfüllern (sog. Lever-Filler) zum Einsatz.

Materialien

Sie werden traditionell aus Naturkautschuk hergestellt. Tintensäcke aus durchsichtigem Silikon sind deutlich weniger elastisch, sodass die robusten und flexiblen Tintensäcke aus Kautschuk meistens das Mittel der Wahl sind.

Es gibt jedoch Gründe, doch einen Tintensack aus Silikon zu verwenden: Zum einen bei transparenten Füllern jeder Art, bei denen der schwarze Tintensack im Schaft das Erscheinungsbild stören würde. Zum anderen bei Füllern, die aus Zelluloid hergestellt wurden. Benutzt man hier nämlich einen Tintensack aus Kautschuk, könnte sich das Zelluloid durch Ausgasungen von Schwefel über die Jahre recht unansehlich verfärben. Gleichwohl ist nicht auszuschließen, dass für viele Beispiele alter verfärbter Zelluloid-Füller nicht alleine Ausgasungen, sondern Tinte verantwortlich ist, die nach jahrelangem Zerfall des Tintensacks austrat.

Tintensäcke aus Silikon haben einen entscheidenden Nachteil: Silikon weist eine hohe Gasdurchlässigkeit auf, sodass sich manche Füller in wenigen Tagen selbständig ihrer Tinte entledigen, sprich, der Füller leckt, wenn er nicht mit der Feder aufrecht gelagert wird. Nachdem das eher als lebensfremd einzustufen ist, wird manchmal nichts übrig bleiben, als doch einen Tintensack aus Kautschuk zu verwenden.
!
Falls Du einen Tintensack aus Silikon einsetzen willst, vergewissere Dich, dass ein als Silikon-Tintensack beworbener Tintensack auch wirklich aus Silikon besteht. In der Vergangenheit kam es zu Fällen, in denen vermeintliche Silikon-Tintensäcke tatsächlich aus PVC hergestellt wurden. Dieser Kunststoff kann durch seine Ausgasungen schwere Materialschäden verursachen.
Bilder

Tintensäcke gibt es in verschiedenen Formen und Größen und nicht nur für Hebelfüller, wobei man zu den Grundformen die gerade (sog. straight) und die enghalsige (sog. necked) Form zählen kann.

Straight Sac [size=85](Durchgehend gerade)[/size]
Straight_Sac.jpg


Necked Sac [size=85](Enghalsig zulaufend)[/size]
Necked_Sac.jpg


Tintensack aus Silikon [size=85]Im Spritzgussverfahren hergestellt[/size]
Silicone_Sac3.jpg


Größe

Die Größen repräsentieren das 64-fache des Tintensackdurchmessers in Zoll, ein Tintensack mit der Größe 16 hat also einen Durchmesser von 0,25 Zoll respektive 6,35 Millimeter:


Größe 16 / 64 = 0,25 Zoll × 2,54 = 6,35 Millimeter


Die Länge wird bei der geraden Form je nach Füller ganz unproblematisch auf das richtige Maß gekürzt, da der Rohling immer etwas länger ist, als nötig. Bei anderen, wie der enghalsigen Form, die beispielsweise in hebellosen Füllern (sog. Twist-Filler oder Leverless Pens) eingesetzt werden, sieht das Ganze schon schwieriger aus. Hier muss man im Vorfeld recherchieren, welcher Sack der richtige ist.

Alter Tintensack

Bevor wir einen neuen Tintensack installieren, müssen wir den alten Tintensack entfernen, sofern vorhanden. Wenn man Glück hat, kann man die zerbröselten Überreste durch leichtes Klopfen einfach aus dem Schaft des Füllhalters leeren:
old_sac.jpg
Hilfreich ist neben einer spitzen Pinzette auch eine lange Schraube, mit der man vorsichtig versucht, festsitzende Teile herauszuholen. Dies vor allem, wenn man weniger Glück hat und der Tintensack im Inneren des Schafts an den Seiten festklebt:
Schraube_2.jpg
!
Der Tintenleiter sollte beim Aufarbeiten des Anschlussnippels sicherheitshalber nicht entfernt werden, da dadurch das Material der Griffsektion geschwächt wird und brechen könnte.
Der Anschlussnippel der Griffsektion muss von den Resten befreit werden, wofür sich ein kleiner Schlitzschraubendreher gut eignet. Zu empfehlen ist außerdem eine Schutzbrille, denn die normalerweise steinharten Reste splittern beim Abschaben scharfkantig ab und könnten so im schlimmsten Fall das Auge verletzen:
Reinigung_Sektion_2.jpg
Die richtige Größe bei Hebelfüllern

Bei einem klassischen Hebelfüller kommt meistens ein gerader Tintensack zum Einsatz. Ein guter Anhaltspunkt für die richtige Größe ist dabei der Durchmesser des Anschlussnippels der Griffsektion (auch Mundstück genannt) des Füllers:
Schritt_1_Griffsektion_2.jpg
SWAN Self-Filler, Mabie Todd & Co. LTD. – № 3170
Fueller.jpg


Bei dem gezeigten Füller liegt der Durchmesser des Anschlussnippels bei etwas mehr als 6 Millimeter.

In Frage kommen daher die Größen 15 (Ø 5,95 mm) und 16 (Ø 6,35 mm). Da mit der Größe naturgemäß auch das Tintenvolumen steigt, sollte man prüfen, ob die größere Version passt. Wenn man den nicht-bepuderten Tintensack noch ohne Anstrengung in das Innere des Füllers hineinschieben kann, dann passt er – ansonsten sollte man die kleinere Version verwenden. Es gilt hier auch zu beachten, dass sich der Tintensack - besser gesagt die darin enthaltene Tinte - später bei Benutzung des Füllers durch die Wärme der Schreibhand geringfügig ausdehnen wird, sodass es nicht sinnvoll ist, einen zu großen Tintensack zu verwenden.

Damit der Tintensack später nicht zu lange in den Schaft hineinragt und womöglich gequetscht wird, müssen wir ihn auf die richtige Länge bringen. Dazu schieben wir den Tintensack bis zum Anschlag in das Innere hinein:
Schritt_2.jpg
Anschließend schneiden wir das überstehende Stück ab – aber nicht zu nahe am Gewinde, um Beschädigungen zu vermeiden:
Schritt_3_Zuschneiden_2.jpg
Zuletzt wird der Tintensack noch einmal wie im Bild gezeigt gekürzt. Das ist mitunter ein klein wenig mehr als unbedingt nötig, dafür haben wir dann jedoch einen kleinen Spielraum nach hinten:
Schritt_4_Zuschneiden_2.jpg
!
Schellack ist alternativlos. Die Verwendung von Klebstoffen, Nagellack o. Ä. kann zu Schäden am Material führen und eine spätere schadensfreie Wartung erschweren.
Ebenso traditionell wie die Verwendung von Naturkautschuk als Material für den Tintensack verhält es sich auch mit dem Klebstoff. Zum Ankleben des Tintensacks verwendet man Schellack. Der lässt sich mit einem Zahnstocher oder einem Streichholz einfach verteilen:
Schritt_5_Schellack_2.jpg
Wenn man den Schellack auf den Anschlussnippel der Griffsektion aufgetragen hat, muss man den Tintensack überziehen und ihn so anschieben, dass der Tintensack später gerade ist und nicht absteht. Das Überziehen kann manchmal etwas schwierig werden, sodass sich Trockenübungen empfehlen. Manche schwören hierbei auf eine Pinzette als Hilfsmittel, meistens geht es aber ohne Pinzette noch viel einfacher, wenn erst der Schellack aufgetragen wurde.

Talkum oder Graphit

Abschließend muss der Tintensack noch mit Talkum behandelt werden. Grundsätzlich kann man auch Babypuder verwenden, wenn es Talkum enthält. Es sollte jedoch so rein wie möglich sein und darf insbesondere keine Öle enthalten, da diese den Kautschuk angreifen würden. Talkum ist wasserabweisend und verhält sich seifig, wodurch es den Tintensack wirkungsvoll vor Reibung schützt und ihn leichtgängiger in den Füllerschaft hineingleiten lässt, ansonsten würde der Tintensack schnell verschleißen. Das Pulver darf auf keinen Fall in der Luft zerstäubt oder eingeatmet werden und muss (das gilt auch für Babypuder) gerade von Kleinkindern ferngehalten werden, zumal Talkum je nach Herkunft auch mit Asbest kontaminiert sein kann. Darum gilt: Packung bitte nicht auf den Boden fallen lassen.

Um das Talkum aufzutragen, nimmt man eine kleine Menge, die man mit einem Wattestäbchen auf den Tintensack aufträgt und fein verteilt:
Schritt_8_Talkum2.jpg
Schritt_8_Graphit_2.jpg
Am Ende sollte das Ganze wie folgt aussehen und muss nur noch einige Stunden (oder am besten über Nacht) in Ruhe gelassen werden, damit der Schellack trocknen kann und der Tintensack später fest am Anschlussnippel sitzen bleibt:
Schritt_9_Talkum.jpg
Bezugsquellen (Stand 2017)

Zuletzt aktualisiert: Januar 2017

Antworten